Leserbriefe

Wohnsituation in Köln
Beispiel Rathenauplatz

"Herr Groschek (SPD-Vorsitzender NRW) informiert sich über die Wohnsituation in Köln am Beispiel Rathenauplatz
und Klaus Adrian schildert die aktuelle Situation".

Köln | Kölner Neustadt-Süd am Rathenauplatz:
An der einen Ecke wird ein Haus luxussaniert in einem anderen gibt es fast nur noch Ferienwohnungen. Klaus Adrian von der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz informiert den SPD-Vorsitzenden in NRW Michael Groschek über die aktuelle Wohnraumsituation an dem in Köln sehr bekannten innerstädtischen Platz. Groschek kritisiert die neue NRW-Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet und stellt fest, dass am Kölner Rathenauplatz viele Probleme im Wohnungsbau sichtbar werden. Im Interview mit report-K schildert Klaus Adrian eindringlich die Folgen der Verdrängung und Zunahme von Ferienwohnungen durch AirBnB und Michael Groschek kündigt an ein "Bündnis für Bauen und Wohnen" von unten organisieren zu wollen.

Es sind mehrere Faktoren, die zur Verdrängung von Menschen die schon lange am Rathenauplatz wohnen, führen. Da sind die Luxussanierungen und die darauf folgende Teilung der Häuser in Eigentumswohnungen. Die Mieten schießen in die Höhe, die Mietpreisbremse wirkt nicht, da sie nicht transparent genug ist. Denn kaum ein Neumieter fragt den Vermieter einer begehrten Wohnung danach um wie viel er denn die Miete erhöht habe. Auf der anderen Seite werden Häuser in Ferienwohnungen umgewandelt und dann über AirBnB vermietet. Eigentlich ist dies nach 2014 nicht mehr möglich aber die Kontrollen durch die Stadt Köln seien lax, so Adrian. Der fordert eine konsequente Umsetzung einer Milieuschutzsatzung, damit die gewachsenden Strukturen, die Nachbarschaften und die sozialen Bindungen erhalten bleiben und findet Unterstützung bei SPD-Mann Michael Groschek.

Gestern hielt der neue Ministerpräsident von NRW Armin Laschet seine Regierungserklärung. 17 Zeilen widmete er dem Thema Wohnen und Bauen. Für Menschen am Rathenauplatz war eher weniger dabei. Laschet sagte: „Damit Menschen eine Heimat finden können, brauchen sie bezahlbaren Wohnraum“. Danach blieb er unkonkret. Zwar wolle die neue Landesregierung an der sozialen Wohnraumförderung festhalten und diese auf hohem Niveau weiterentwickeln, aber wie dies konkret aussehen wird, bleibt offen. Zunächst will man die Landesbauordnung überarbeiten, auch hier bleibt offen in welche Richtung und vor allem will die neue NRW-Regierung das Eigenheim fördern. Hier soll ein Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer – einer kommunalen Steuer - eingeführt werden, wenn es sich um selbstgenutztes Wohneigentum handelt. Zudem will man die Eigentumsförderung anheben. Zur Wohnungsimmobilienkreditrichtlinie, die gerade jungen Familien den Erwerb von Wohneigentum nahezu durch ihre Regulierungen unmöglich machte, gibt es keine Initiativen der neuen Landesregierung, außer der Eigenheimförderung zur Stärkung des Eigenkapitals.

Die Landesregierung wird damit vor allem das Eigenheim in den Speckgürteln oder auf dem Land fördern. Für Großstädte wie Köln, die Flächen und Geschossflächenbau benötigen ist die Eigenheimförderung kein probates Mittel. Vor allem im sozialen Wohnungsbau liegt vieles im Argen. So fällt die Anzahl der Wohnungen mit Sozialbindung seit Jahren und dass in einer Stadt, dessen Bevölkerung zu 50 Prozent Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat. Mieten steigen, der Bevölkerungsdruck auf die Metropole Köln nimmt zu, Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht von 200.000 Menschen die bis 2030 nach Köln kommen wollen. Menschen die arbeiten, wie Krankenpfleger oder Polizisten können sich die Mietpreise nicht mehr leisten. Studenten müssen teilweise mehr als die Hälfte des Bafög für die Miete aufwenden und haben dann zum Leben weniger als der Hartz IV-Satz. Dazu kommt eine niedrige Quote bei den Zimmern in Studentenwohnheimen.

Bei der SPD sieht man die Probleme und Michael Groschek weist darauf hin, dass die SPD in den letzten beiden Jahren der Kraft-Regierung vielmehr Geld als mehrere Bundesländer zusammen für den sozialen Wohnungsbau investiert hat. Groschek kritisiert die neue Landesregierung und will jetzt ein Bündnis von unten für Wohnen und Bauen gründen. Die Stadt Köln sieht er in der Pflicht ihrer kommunalen Aufsichtspflicht nachzukommen, gerade im Bereich der Ferienwohnungen.

report-K.de - Politik-Nachrichten Artikel
von Andi Goral vom 14.09.2017
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Leserbriefe
Leserbrief

Artikel

Bezahlbarer Wohnraum in der Innenstadt/Leerstand - Auch KSTA vom 07.06.2017
Leserbrief von Karin Stein vom 07.06.2017


Liebe KStA-Redaktion, liebe KölnerInnen und PolitikerInnen!

Ich lebe seit fast 20 Jahren am Rathenauplatz, bereits als Studentin in einer tollen, alten, geliebt-runtergekommenen Wohnung, nun etwas komfortabler ziehe ich seit 13 Jahren gern und bewusst hier meine Kinder groß. Wir sind viele Familien am Rathenauplatz, manche haben sogar drei oder mehr Kinder, der Bildungsstand ist relativ hoch, natürlich, denn es müssen beide Elternteile gutes Geld verdienen, um sich ein Leben rund um den Rathenauplatz leisten zu können.

Das Leben im Veedel ist geprägt von Miteinander, Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Rücksicht und Toleranz. Alles komplexe Dinge, die Zeit brauchen und wachsen müssen. Wichtig ist das Leben mit Menschen, die sich um unser Veedel verdient machen!

Es gibt immer weniger für Familien bezahlbare Wohnungen, bzw. werden die Wohnungen immer kleiner. Aus den ehemals großen Altbauwohnungen mit 4, 5 oder gar 6 Zimmern, wurden schon vor langer Zeit kleinere gemacht – Es ist für mich schwer, zu akzeptieren, dass eine Familie nach 15 Jahren das Viertel verlassen muss, nur weil sie ein zweites Kind bekommt!
Paradoxerweise sehen das Vermieter, die meistens nicht mit dem Veedel verbunden sind, ähnlich: Als ich vor 7 Jahren wegen Nachwuchs eine größere Wohnung am Platz suchte (und eine adäquate fand) wurde ich von der Vermieterin gefragt, ob wir wirklich mit 4 Leuten in „so eine kleine“ Wohnung ziehen wollen (130qm)! Gehandelt wird aber nach reinen Wirtschaftlichkeitsaspekten. Aber immerhin besteht unser Haus noch ausschließlich aus Miet- und nicht aus Eigentumswohnungen!
Darüber hinaus gibt es auch immer mehr Eltern, die ihre Kinder getrennt lebend erziehen und für die ist es schier unmöglich im Viertel zu bleiben, weil kein (bezahlbarer) Wohnraum zur Verfügung steht, der nach Möglichkeit auch nicht so weit voneinander entfernt ist, dass die Kinder problemlos von einer Wohnung zur nächsten gelangen können.

Nur, um es zu betonen: Ich spreche hier von Menschen, die sich bewusst für ein Leben am Rathenauplatz entschieden haben und nicht damit liebäugeln, „mal auf’s Land“ oder nach Rodenkirchen zu ziehen.

In diesem Zusammenhang ist es mehr als beklagenswert, dass mir ad hoc 3 Häuser und eine Wohnung einfallen, die komplett leer stehen.

Im Einzelnen: Haus Heinsbergstrasse 22 steht seit den 90er Jahren leer, was der Stadt Köln seit Jahren bekannt ist (mir liegt Korrespondenz mit Herrn Josef Ludwig vor). Engelbertstrasse 37 steht seit etwa 10 Jahren leer, was dem OB Köln bereits vor etwa drei Jahren zur Kenntnis gebracht wurde. Mauritiussteinweg 35-37 ebenfalls etwa 10 Jahre Leerstand.
Haus Görresstrasse 2 (Eigentümer Brand) stand lange leer bis von offizieller Seite interveniert wurde; nun "nur" noch die oberste Etage, die nach meiner Beobachtung seit mindestens 7 Jahren leer steht.

Aber damit nicht genug!
Ich beobachte mit zunehmender Sorge, dass mein geliebtes Viertel von Luxussanierungen und Gentrifizierung betroffen ist. Das neueste Projekt in der Dasselstraße, das auf hochwertigen Glanzflyern, die in umliegenden Imbißbuden ausliegen, mit hochpreisigen Studentenappartements wirbt, ist wahrscheinlich nur ein vorläufiger Höhepunkt---Hier werden teilweise Mieten verlangt, die nicht einmal vollzeitarbeitende Menschen aufbringen können!

Das Haus Am Rathenauplatz Nr. 9 mussten alt eingesessene „Rathis“ nach Verkauf an Herrn Röhrig verlassen; sie haben auch keine andere Bleibe im Viertel gefunden und sind nun weg zugunsten zweier Söhne Ron Sommers, die NICHTS zu dem schönen, erhaltenswerten Leben am Platz beitragen, nicht mal auf ein Kölsch für 2,80 € in den Biergarten kommen, aber hoch über dem Platz in bester Lage logieren, sofern sie sich überhaupt in Köln aufhalten! Der durchschnittliche Quadratmeterpreis betrug hier 6.000,- €, nicht gerade ein Lockangebot für Familien, zumal die Wohnungen, wie oben bereits erwähnt, oft gar nicht familientauglich sind. Darüber hinaus ist nicht mal jede durchsanierte Wohnung wieder als Wohnraum zur Verfügung gestellt, sondern in vier Fällen einer gewerblichen Nutzung zugeführt worden. Das ist der Stadt bekannt und es wurde vorschriftsmäßig überprüft, ob in einem anderen Teil Kölns der weggefallene Wohnraum „ersetzt“ wurde – wem hilft das? Man hätte aber auch von vornherein etwas unternehmen können ( https://politik-bei-uns.de/paper/563de78a1ae6a07a198849a6 ). Natürlich warte –nicht nur- ich seit Jahren auf die „soziale Erhaltungssatzung“, auch Milieuschutzsatzung genannt, wie es sie in anderen Städten seit 20 Jahren gibt. Leider musste ich lesen, dass auch nach der Expertenanhörung, sowie Sachstandsnachfragen, zuletzt durch die SPD (ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber, nicht aus parteipolitischer Geneigtheit) im Juni 2016 noch nichts beschlossen worden ist und wenn es dazu kommen sollte, erst einmal Mühlheim und das Severinsviertel im Fokus stehen sollen! Darüber hinaus fehle es an Personal (12 Personen müssten eingestellt werden, was die CDU/Grüne ablehnten).

Ich befürchte nicht nur, sondern gehe in Anbetracht der noch lange nicht ausgeschöpften Potenziale davon aus, dass es nicht bei den Projekten Dasselstraße, Rathenauplatz und nicht zu vergessen Meister-Gerhardt-Straße bleibt.

Ein weiteres Ärgernis sind die Hauseigentümer, die Wohnraum beispielsweise über airbnb anbieten und sich über diese Zweckentfremdung aus der „Vermieteraffäre“ ziehen bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Nutzen. Auch WGs aus Studierenden scheinen immer beliebter, um Mietpreise von 15,- kalt pro qm realisieren zu können.

Ganz am Rande, um das Bild abzurunden, kommt eine Zunahme an Parkplatzmangel, der ohnehin schon immer in dem Viertel u.a. wegen der beliebten Gastronomie herrschte. Als Radfahrer eher mittelbar betroffen, ärgert mich allein die Tatsache, dass der Mangel von der Stadt Köln durch Schaffung von Angeboten für Firmen wie „ampido“ verursacht wird.

Als aufmerksame, gebildete, interessierte Bürgerin, Frau und Mutter ist es mir nicht entgangen, dass die kommunale Politik seit 20 Jahren nichts für die Interessen und Belange meinesgleichen tut und da sind die Unterschiede zwischen den Parteien marginal. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass gerade die Wohnungs"politik" stark geprägt ist von Lobbyismus und finanziellen Ränkespielchen. Alles, was an Standard des Miteinanders, der Sicherheit und Ordnung (Präsenz des Normalbürgers, Biergarten, Bücherschrank, Haus Am Rathenauplatz Nr. 30, Feste, Spielplatz, Fußballkäfig, Vereine, Obdachlose, Drogenkonsum, Drogenkriminalität, 24h-Alkoholismus, wildes Camping, Müll, Vergewaltigungsrate,….) in den letzten 15 Jahren am Rathenauplatz erreicht wurde, ist zum größten Teil auf das Engagement der Anwohner und des Bürgervereins zurückzuführen.

Und dieses geht weiter: Am 23.06. wird es ein erstes Treffen mit Anwohnern und Interessierten in den Räumen der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz 30 zu den Themen geben. Um 19:30 Uhr geht es los!

Ich bin nicht bereit zu weichen und das alles aufzugeben; ich bin nicht bereit, zu weichen zugunsten von Nutznießern, die nichts mitbringen, außer einem Sack voll Geld. Ich wünsche mir von der Stadt Köln Problembewusstsein und endlich mal Entscheidungen für die Bewohner rund um den Rathenauplatz.


Herzliche Grüße,
KATRIN STEIN, KÖLN

Anfrage und Antwort
vom Wohnungsamt

Artikel

Einwohnerfrage von Klaus Adrian als PDF-Datei

Einwohnerfrage Ratsinformation:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=625640&type=do&

Antwortschreiben als PDF-Datei

Einwohnerfrage Ratsinformation:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=625364&type=do&

Leserbriefe
Leserbrief

Artikel

Soziologe über Wandel in Kölner Veedeln - KSTA vom 06.06.2017
Quelle: http://www.ksta.de/27028368 ©2017

„Man kann Entwicklung nicht einfach anhalten“

Leserbrief von Klaus Adrian
14.06.2017

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WOHNRAUM

Zu „Man kann die Entwicklung nicht einfach anhalten“ Interview mit dem Soziologen Jürgen Friedrichs (3.6.) Jürgen Friedrichs sagt im Interview:
„Es dauert alles zu lange“ und an anderer Stelle: „Die Stadt muss rascher handeln“.
Dem ist vor allem in Hinblick auf Köln zuzustimmen.
Die positiven Erfahrungen anderer Städte, wie zum Beispiel München und Frankfurt, mit dem Erlass von Milieuschutzsatzungen dem Prozess der Zerstörung von bezahlbarem Wohnraum und Gentrifizierung entgegenzuwirken, wird in Köln immer noch nicht im notwendigen Maß genutzt.

Jahrelanger Leerstand kann nicht konsequent verfolgt werden, weil das Personal fehlt.
Die seit dem 1. Juli 2014 gültige Wohnraumschutzsatzung ist immer noch nicht den geänderten Bedingungen angepasst worden. Zweckentfremdung durch sogenannte „boarding houses“ wird nicht konsequent verfolgt.
Das jetzt mögliche Vorkaufsrecht der Stadt wird scheitern, wenn Köln das Geld fehlt, es im Ernstfall auch zu nutzen.
Wenn man schon nicht bereit ist, zusätzliches Personal den betroffenen Ämtern zur Verfügung zu stellen, dann sollte man zumindest die kostenlose Ressource nutzen, wie Herr Friedrichs vorschlägt, und Bachelor-Arbeiten veranlassen um zum Beispiel zu klären, in welchen Stadtvierteln bezahlbarer Wohnraum in größerem Ausmaß vernichtet wird, wo Luxussanierungen und Umwandlung in Eigentumswohnungen gehäuft auftreten und Mieter verdrängt werden.

Und, an der Stelle möchte ich ihm widersprechen:
Es gibt bisher immer noch keine gesicherten Daten zu den von ihm genannten Gebieten wie etwa das Viertel um den Rathenauplatz und die Südstadt.
Aber auch diese Daten-Lücke könnte man mit Hilfe von zum Beispiel Bachelor-Arbeiten fast kostenlos stopfen.

KLAUS ADRIAN, KÖLN